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Description type:Original description 
Description:Ramaria lacteo-brunnescens Schild spec. nov.
In silva frondosa. Italia. Typus ZT 1283.
Fruchtkörper bis 90 mm hoch, 65-105 mm breit, reich verästelt (Abb. 1). Strunk bis 30 mm hoch, unten ± zuspitzend oder abgerundet, oben 30-40 mm dick. À„ste bei jungen Pilzen oben oft blumenkohlartig, mit zunehmendem Wachstum sich ± streckend, jedoch Zwischenteile im allgemeinen relativ kurz, aufrecht oder stark divergierend, unten 5-15 mm dick, aufwärts sich verfeinernd, unregelmässig rundlich bis schwach längskantig, unterhalb der Astteilungen ± gefurcht. Endästchen meist mit zwei- bis drei stumpfen oder wie abgebrochenen, dünnen, 1-3 mm langen Spitzchen. Astwinkel überall spitzig.
Farbe vom Strunk bis an die Spitzen lange Zeit gleichfarbig milchweiss, im Alter (oder auch nach zwei- bis drei Tagen Lagerung) an À„sten - da und dort auch an Spitzen allmählich mit blass weinbräunlichem Beiton, in gewissem Lichteinfall mit einem Hauch Lilabräunlich. Am Strunk manchmal mit blass isabellgelblich-bräunlichen Partien, besonders an Druckstellen oder im Alter. Àœberstandene, alte Pilze werden schliesslich bis obenaus blass schmutzigbräunlich. Fleisch milchweiss, unveränderlich, wenn stark durchnässt im Strunk etwas marmoriert. In À„sten brüchig.
Geruch schwer definierbar, am ehesten ähnlich R.flavescens, mit Komponenten, die auch an R. botrytis erinnern, jedoch sehr schwach. Geschmack mild, unbedeutend. Sporenpulver blass ockerfich-beige. Chemische Reaktionen? Mikroskopische Merkmale: Hymenium 45-65 µm dick, blass graugrünlich-olivlich.
Subhymenium irregulär, 7-14 µm dick, gegen die Trama ± deutlich abgegrenzt.
Sporen blass beigeolivlich, meist mit kleinen, unregelmässig zerstreuten, stellenweise ± zusammenhängenden Warzen, (6,4) 6,8-10,5 (10,8) x 2,8-4,8 µm, Wand zwischen 0,2 und 0,3 µm dick, Apiculus seitlich 0,5-1 µm lang. Warzen und Sporenwand µm stark cyanophil (Abb. 2a). Basidien keulenförmig, hyalin - bis sehr blass graugrünlich, Inhalt glatt oder mit einzelnen grünlichen Tröpfchen oder körnchenartigen Partikeln, die sich mit zunehmender Reife meist vermehrt bilden. Basis ohne Schnallen, 32-48 x 7-9 µm, mit 4, seltener 3 (2), 2,4-3,8 µm langen Sterigmen (Abb. 2b). Basidiolen meist schmaler, sonst gleich wie die Basidien. Zystiden keine.
Hyphen monomitisch, wie die Basidien ohne Schnallen, Inhalt glatt, hyalin, Membrane blass beigegrünlich, bei frischen Pilzen an einzelnen Hyphen mit punktförmigen Partikeln wie inkrustiert, sonst jedoch glatt.
Im Subhymenium 1,6-3,2 µm dick, ± parallelwandig, Wände sehr dünn, um 0,2-0,3 µm. - Tramahyphen in mittlerer Asthöhe (1,6) 2,5-11 µm dick, unter dem Subhymenium im allgemeinen subregulär, gegen das Zentrum gleichartig oder nur leicht irregulär, parallelwandig bis unregelmässig, bei Septen ± verengt oder leicht eingeschnürt, hie und da sekundär septiert, Wände dünn, zwischen 0,2 und 0,4 µm, ampullenförmige Anschwellungen vorhanden, aber wenige, um 10-16 µm dick, mit oder ohne Fortführung der Hyphe, diese Anschwellungen haben oft leicht verstärkte Wände und beinhalten meist kleine, grünliche Tröpfchen oder körnchenartige Partikel (Abb. 2c). - Im Strunk 2,5-12 µm dick, meist 4-10 µm, irregulär, ohne oder nur rar mit Anschwellungen, Wände dünn bis leicht verdickt 0,3-1,3 µm, sonst gleich wie die Asthyphen. Oleiferen im ganzen Fruchtkörper nur spärlich, parallelwandig oder mit unregelmässigen Anschwellungen, bisweilen kopfig, 1,6-4,5 (7,5) µm dick, ± stark cyanophil.
Untersuchtes Material: Italien: Gegend von Trento oder Valsugana, 15. September 1979 (Mitglieder der Gruppo micologico Bresadola), Herb. Schild 1283 (Holotypus). Isotypus in ZT. - Bozen (Südtirol) 21. September 1979, V. Sartori, Sch 1298 (mit Dia).
Bemerkungen:
Bei der Kollektion (Nr.1283), die mir B. Cetto anlässlich der Pilzausstellung in Trento in frischem Zustand überbrachte, war es nicht mehr möglich, Finder und Standort ausfindig zu machen. Anhand des dem Strunk noch anhaftenden Substrates vermutete ich jedoch, dass die Pilze auf Laubwaldboden gewachsen sind. Demgegenüber hatte F. Bellu das Glück, über die durch ihn vermittelten Funde (Nr.1298) noch Informationen zu erhalten. Laut brieflicher Mitteilung sagt er darüber folgendes: «In der Nähe von Bozen, etwa 700-800 m ü. M. in ,Cologna`, es war ein Mischwald von Castanea sativa, Fagus silvatica und Quercus (petraea?), in dem nur sehr selten einige Kiefern wachsen. Man kann deshalb sagen, dass diese Ramaria im Laubwald wuchs.»
R. lacteo-brunnescens sp. nov. scheint eine südländische und zudem seltene Art zu sein. Man weiss nicht, wie weit ihr Verbreitungsgebiet nach Norden reicht. Es ist zwar denkbar, dass dieser Pilz in ähnlichen Biotopen, auch in der Südschweiz, im Jura und in Frankreich anzutreffen wäre. Um mehr Informationen über das Verbreitungsareal zu erhalten, sollte diesem Pilz Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Wegen der auffallend milchweissen Farbe kann er mit keiner anderen europäischen Ramaria-Art verwechselt werden! Es wäre aber möglich, ihn mit gross gewachsenen Formen von Ramariopsis kunzei (Fr.) Donk zu verwechseln. Letztere Art ist ebenfalls weiss, hat aber Hyphen mit Schnallen und rundliche, hyaline, stachelige und viel kleinere Sporen. Auch weisse Clavulina-Arten, besonders C. cristata, können ähnlich aussehen, sie sind aber meist viel kleiner, haben ± runde, glatte Sporen mit einem grossen Tropfen, Hyphen mit Schnallen und an den Basidien nur 2 (1) Sterigmen.
Von aussereuropäischen «im Feld» ähnlichen Arten möchte ich etwa noch folgende erwähnen: Clavaria albida Peck (1887) und Ramaria brevispora var.albida Corner, Thind & Dev (Corner 1958/1970). Letztgenannte Art ist nicht so schön weiss, sondern «tan white». Ausserdem hat dieser Pilz ± eng U-förmig gerundete Astwinkel, und die Sporen sind kürzer, dafür bedeutend breiter.
Clavaria albida Peck ist zwar in frischem Zustand auch weiss oder weisslich, hat aber laut Typenstudien von Petersen (1967) enggerundete Astwinkel, Hyphen mit Schnallen und zudem glatte und viel grössere Sporen (weshalb diese Art bei gewissen Autoren in die Interpretation von Ramaria abtusissima (Peck) Corner verwickelt wurde (siehe Corner 1950: 609; 1970: 269).
 
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