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Page number:231 
Description type:Non-original description 
Description:Ramaria flava (Schaeff.) Qué1et, Fl. myc. 1888, 466
Basionym: Clavaria flava Schaeffer, Fung. Bav. 1774, Ind. 118, pl. 175. Abbildungen: 1 bis 5
Fruchtkörper (Abb. 1: a, b) 100-200 (250) mm hoch, 70-200 (280) mm breit, reich verästelt.
Strunk sehr unterschiedlich gestaltet; einfach, oder aus zwei (selten mehr) Individuen bestehend, die abwärts zusammen gewachsen sind, glatt, selten jedoch mit einzelnen verkümmerten, weiß- oder cremeweiß bleibenden sterilen Seitenästchen, allgemein 30-55 (70) mm hoch, aufwärts meist verdickt, oben gewöhnlich 25-45 mm dick, aber auch bis ± 70 mm erweitert, Basis mit weißem Mycelfilz behaftet, aufwärts milchweiß, Druckstellen später schmutzig cremeweiß oder blaß bräunlich anlaufend, oben in die Farbe der À„ste übergehend.
À„ste bei jungen Pilzen oben oft dicht blumenkohlartig gedrängt, dann sich streckend, unten 5-17 (25) mm dick, mehr oder weniger divergierend oder bogig geschwungen aufwärts strebend, seltener auch parallel, nach oben wiederholt auf ± gleicher Höhe zweioder mehrmals geteilt, bei Teilstellen meist verbreitert, an oberen À„sten oft fast glatt, sonst zart runzelig (Lupe) zudem etwas längsgerillt besonders unterhalb den Astteilungen (an alten Pilzen stärker ausgeprägt). Astwinkel gemischt, eng bis weitbogig U-förmig und auch ± spitzig, wobei gewisse Pilze mehrheitlich U-förmige, andere dagegen mehrheitlich spitzige Winkel aufweisen können.
Endäste - Spitzen an jungen blumenkohlartigen Pilzen oben oft wie dicht gezähnt, älter aus mehr oder weniger gleicher Höhe in zwei oder mehrere, 2-5 mm lange, stumpfe lockere Spitzchen endend, oder auch mit dickeren bis plumpen Enden (Abb. 2 a) Astfarbe sehr variabel; bei jungen, gleich aus dem Boden sprießenden Pilzen oben zuerst oft schmutzig weiß oder gelblichweiß, mit zunehmendem Wachstum allmählich in gelb übergehend, dann À„ste hell blaß gelb, neapelgelb, blaß primelgelb, hell schwefelgelb, oder blaß crémeprimelgelb besonders bei trockener Witterung, oft mit einem Hauch grünlichgelb vor allem über dem Strunk und an Spitzen, an unteren Asten meist blasser, oben im allgemeinen intensiver gefärbt. Während die Spitzen oft lange gelb bleiben, werden die À„ste mit zunehmender Reife oft etwas crémegelblich, bisweilen mit einem Hauch blaß cr6mezimtbräunlichgelb, wenn alt von den Sporen gewöhnlich bis obenaus crémeockergelb (diese Gelbfarben mögen sich bei Seguy am nächsten etwa über folgende Skalen erstrekken: 320, 319, 290, 289, 260-259 etc.) In seltenen Fällen läßt sich bei alten, besonders großgewachsenen Standortsformen zu der gelben Grundfarbe noch ein Reflex orangegelblich feststellen.
Leg- oder Druckstellen manchmal leicht bräunlich anlaufend, bisweilen mit einem Hauch purpurbräunlich, vinosabräunlich oder violettbräunlich.
Anmerkung: Unter meinen unzähligen, authentischen R. flava-Einsammlungen kamen mir bis jetzt nur zwei Fruchtkörper zu Gesicht, welche zu ihrer gelben Grundfarbe noch einen Reflex orangegelblich aufwiesen, beide Pilze waren sehr groß. Ihre Hyphen, die Größe der Sporen und deren Form, Ornamentation und die - wenn ungefärbt oder auch in Baumwollblau betrachtet - meist glatte Sporenwand, sind gleichartig wie bei allen meinen anderen R.flava-Einsammlungen. Ich sehe es hier angezeigt, auch diese beiden Fruchtkörper als innerhalb der Variabilitätsbreite von R. flava anzusehen.
Da diese Farbnuance bei R. flava jedoch selten ist, und vermutlich nur bei bestimmten oder groß gewachsenen Standortsformen vorkommt, ist es denkbar, daß Schaeffer solche Fruchtkörper vielleicht nie zu Gesicht bekam, oder daß die Farbe zu wenig genau beurteilt wurde und er seine Clavaria flava deshalb nur in gelber Farbe abgebildet hat. Allerdings ist es auch möglich, daß Schaeffer damals selbst seine eigene Cl. flava mit nahe stehenden, rein gelben Arten verwechselte, was heute leider nicht mehr nachweisbar ist.
Fleisch wenn feucht schmutzig wässerig weiß, zart marmoriert besonders im Strunk, bei intensiv gelben Pilzen in oberen À„sten unter dem Hymenium manchmal leicht durchgefärbt, wenn antrocknend eher rahmweiß, alt bisweilen mit einem Hauch ockerlichweiß, im Schnitt unveränderlich, in À„sten etwas längsfaserig, gegen die Spitzen weichbrüchig, im Strunk kompakt. An Exsikkaten im Strunk (je nach Trocknung) oft hornartig zäh, in Asten fast etwas kalkartig brüchig, (doch nicht so stark wie bei R. formosa.)
Geruch bemerkenswert variabel; manchmal fast angenehm korallenpilzartig, gras- oder moosartig, meist aber mit erdartigen, oder herben Komponenten, die zum Teil an Hyph. fasciculare, Cort. hinnuleus, rote Radisli oder sogar an alte Waschlappen erinnern, bisweilen stechend herb, oft aber schwer definierbar!
Bei alten Pilzen kann sich manchmal noch ein irgendwie süßlicher, sogar an R. botrytis erinnernder Geruch einstellen
Geschmack im Strunk und in unteren À„sten mild, aufwärts irgendwie herb-erdartig, in den Spitzen mehr oder weniger bitter, besonders bei alten Pilzen.
Sporenpulver in Massen auf weißem Papier gelbocker. Makrochemische Reaktionen
Die bei dieser Pilzart nur wenig erprobten Chemikalien sagen wenig aus, wenn man weiß, daß damit noch viele andere Ramarien gleichartig reagieren, sie mögen trotzdem erwähnt werden:
KOH (20-30%)
Hymenium: schmutzig orangeockerlich bis rötlich-ocker, bisweilen mit kirschrötlichen Partien.
Fleisch: schmutzig weißlich, dann vertieft. FeS04
Hymenium: allmählich schmutzig graulicholivgrün oder grünspan-grün. Fleisch: nur schmutzig weißlich, bisweilen mit einem Hauch grünlich. H2S04 (50-60 %)
Hymenium: blaß gelblich-weißgelblich aufhellend. Fleisch: 0.
Mikroskopische Merkmale:
(alle Maße wurden in „L4" nach Clémençon (1972: 51) ermittelt.)
Hymenium die À„ste allseitig bedeckend, an den Spitzen zum Teil verkümmert (55) 63-76 (83) µm dick, olivgrünlich.
Subhymenium irregulär, in der Dicke unregelmäßig, meist etwa zwischen 7-20 µm, allgemein undeutlich sich von den Tramahyphen abhebend.
Sporen in der Form recht unterschiedlich, manchmal fast zylindrisch, (9,9) 10,4-15,7 (16,5) x (3,2) 3,7-6 µm, im Schnitt 13,2 x 4,6 µm (ohne Apiculus), in purem Wasser oder in „L4"-Lösung betrachtet, blaß beigeolivlich-olivgelblich, bisweilen mit einem großen oder zwei bis drei kleineren Tropfen, Wand meist glatt erscheinend, ebenso in Baumwollblau (charakteristisch!) hier aber im Inhalt mit deutlich sichtbaren, mehr oder weniger längsausgerichteten Warzen, die zum Teil isoliert angeordnet sind, oft aber auch wie ineinander zerfließend aussehen, was auf Raster-Aufnahmen deutlich sichtbar ist. Sporenwand ± 0,3 (-0,4) µm dick, Apiculus etwa zwischen 0,8-1,l µm lang (Abb. 2: b). Warzen und Wand stark cyanophil. (Es sei erwähnt, daß die Form der Warzen, der Stiel der Ornamentation, trotz der meist längsausgerichteten Anordnung, selbst bei ein und demselben
Fruchtkörper ein bemerkenswertes Spektrum an Variabilität aufweist, was besonders auf Raster-Aufnahmen deutlich wird (Abb. 3, 4: a, b).
Basidien keulenfönnig, 43-60 (70) x 7,6-11,2 µm, olivgrünlich, Inhalt feintropfigkörnig rauh, mit 4 (3) Sterigmen (4,2) 6-8 µm lang, Basis mit Schnallen, cyanophil. Basidiolen oft dünner, sonst gleichartig.
Hyphen mit Schnallen von sehr verschiedener Gestaltung und recht unterschiedlich präsent; in einzelnen Fruchtkörpern mäßig vorhanden, in anderen dagegen wenige, oder in À„sten einzeln vorkommend und im Strunk spärlich, im allgemeinem hyalin, bisweilen mit Vakuolen, sonst Inhalt glatt, Membrane blaß graugrünlich, glatt (Abb. 5: a).
Im Subhymenium irregulär (1,6) 2-4,5 µm dick, parallelwandig oder unregelmäßig, Membrane zwischen 0,2-0,4 µm, hie und da mit Schnallen.
In À„sten allgemein (2) 2,5-16 (22-26) µm dick, nahe dem Subhymenium subregulär und gewöhnlich dünner, gegen das Astinnere dicker, mehr oder weniger irregulär, kurz bis langgliedrig, parallelwandig bis unregelmäßig - langbauchig, bei Septen ± verengt oder leicht eingeschnürt, selten auch mit sekundären Septen, Membrane zwischen 0,2-0,5 µm. Im Strunk in der Rinde in einer Breite zwischen 10-50 µm, dicht gedrängt und oft fast regulär-vertikal ;verlaufend, hier etwa zwischen 2,5-6,5 µm dick, ± parallelwandig, mit leicht gelblichen Membranen von 0,2-0,5 (0,8) µm, daher in Masse blaß gelblich erscheinend. In der äußersten Schicht können sich stellenweise wirr irregulär gelegene, dicht verflochtene Anhäufungen von etwa 2-5 µm dicken Hyphen befinden, deren Membrane kräftiger gelb sind, in Masse erscheinen diese Anhäufungen oft intensiv gelbbraungoldbraun. Schnallen sind in den Rindenhyphen allgemein selten, Schnallen spärlich oder selten.
Gegen das Strunkinnere hyalin, stark irregulär, meist zwischen 2,5-12 µm dick, Membrane von Fruchtkörper zu Fruchtkörper sehr unterschiedlich; zwischen 0,3-1,8 (2,2) µm, im übrigen sonst gleich wie in der Trama der À„ste.
Gekröse- oder gelatinöseartige Elemente können bei einzelnen Pilzen in geringen Massen vorkommen, sind aber selten, das Fleisch kann als nicht gelatinös bezeichnet werden. Filzhyphen der Strunkbasis hyalin bis blaß meergrünlich (1,5) 2-7,7 (8,8) µm dick, hie und da mit Schnallen, aber allgemein sehr langgliedrig, ± parallelwandig, Membrane 0,2-1,2 (1,5) µm, ± cyanophil, bei einigen Fruchtkörpern glatt oder mehrheitlich glatt, bei anderen dagegen mehrheitlich incrustiert, Incrusten bisweilen dunkelblau, meist aber nur schwach cyanophil (lichtbrechend) oder auch acyanophil (Abb. 5: b).
Vereinzelt befinden sich zwischen den Basisfilzhyphen oleiferenartige, stark cyanophile Segmente, die etwa l,5-4 µm dick sind und ± kurze, astartige Verzweigungen oder dornartige Sporne aufweisen (Abb. 5: c).
Oleiferen im ganzen Fruchtkörper lokal vorhanden, im Strunk jedoch allgemein seltener, 1,6-7 µm dick, an kopfigen Enden bis ± 13 µm, stark cyanophil.
Standort: Dieser Pilz ist mir nur aus dem Buchenwald, oder zumindest in Verbindung mit Buchen bekannt. Ob er fakultativ auch andere Laubbäume dulden würde wie z. B. etwa Eiche oder Hainbuche etc., weiß man bis jetzt nicht sicher. Ich neige jedoch zur Annahme, daß R. flava - in Europa - ein Mikorrhizapilz der Buche ist. Obwohl nur lokal vorkommend, gehört R. flava, nebst R. flavescens und R. flavobrunnescens, in unseren Gebieten zu den häufigeren Arten der Laeticolores. Bis jetzt bekannt aus Deutschland, der Schweiz, Italien und Jugoslawien. Sicher aber kommt R. flava auch in anderen europäischen Ländern in gleichen oder ähnlichen Biotopen vor.

Ramaria flava ist im Habitus, in der Farbe, wie auch hinsichtlich der Sporenform und Ornamentation eine bemerkenswert variable Art. Außer Ramaria schildii Petersen, deren Sporen sich sowohl in Baumwollblau betrachtet, wie auch im RE-Mikroskop als absolut glatt erweisen, ist mir von den gelben Arten der Laeticolores in Mittel-Europa nur die hier beschriebene R. flava und var. pinicola bekannt, deren Sporen - wenn ungefärbt und auch in Baumwollblau - meist eine glatte Wand haben, was denn auch der Steckbrief dieser beiden Pilze ist.
Aus Finnland und Schweden hat Petersen (1989: 34) noch eine Ramaria obtusissima var. scandinavia beschrieben, deren Astfarbe mit „ochraceous buff below, somewhat paler above", - und die Spitzen mit „ochraceous yellow to greenish yellow" angegeben werden, die Sporen sind auf seiner Zeichnung glatt dargestellt. Im Text aber schreibt er„. . . spores smooth to minutely, obscurely roughened; ... ornamentation none or occasionally very delicate, interrupted longitudinally oriented ridges and warts". Die Maße werden mit 11,2-12,6 x 4-4,7 µm angegeben, was weder für R. flava noch für var. pinicola in Frage kommt, auch die Pilzfarbe nicht. Bei allen anderen gelbe Arten der Laeticolores läßt sich bereits in purem Wasser betrachtet eine warzige Sporenwand feststellen.
R. flava scheint eine mitteleuropäische Art zu sein, die vor allem in Deutschland und der Schweiz zu den häufigeren dieser Gattung zählt. Besonders kleine Fruchtkörper können auf dem Feld von Unerfahrenen leicht mit allen anderen gelben Arten verwechselt werden. Die am nächsten stehende Art ist zweifellos Ramaria brunneicontusa Petersen (1989: 24), welche er während eines Aufenthaltes in der Schweiz gefunden hat. Später konnte ich diesen Pilz auch in Deutschland nachweisen. Er wird kaum so groß wie R. flava, hat aber fast dieselbe Farbe, Hyphen ebenfalls mit Schnallen und fast gleichgroße Sporen, diese zeigen jedoch bereits in purem Wasser betrachtet eine stark warzige Wand, außerdem ist die Form und Anordnung der Warzen - der Stiel der Ornamentation - sowie die Sporenform völlig anders. Alle anderen gelben Ramarien haben - nebst makroskopischen Unterschieden und stark warziger Sporenwand - entweder kleinere Sporen oder Hyphen ohne Schnallen.
 
Taxon name: